Grosses Besucherinteresse und ein grossartiger Stilmix. Einheitliche Pressemeinung: „Ein gelungenes Festival.“ Die Organisatoren sind zufrieden. Nur Kritik gegenüber der RSI (dem Tessiner Radio- und Fernsehsender): „Wir fühlen uns übergangen“. Erfolg der italienischen Jazzszene: Italienische Musiker erhalten Publikumspreis und die beste Wertung der Kritiker.
Die 26. Ausgabe des Festivals JazzAscona ist am vergangenen Samstagabend mit einem überragenden Auftritt von Gitarrist Biréli Lagrène – erklärter Star der zehntägigen Konzertreihe – und einer langen Tanznacht im Jazz Club-Zelt mit der Soul-Band Roy Bennett & Stuff erfolgreich zu Ende gegangen. JazzAscona-Präsident Aldo Merlini zeigte sich äusserst zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung: Weder die Fussball-WM, die an einzelnen Abenden die Menschen vor die Fernseher lockte, noch das Gewitter, das am Abschlussabend über das Festival hereinbrach (und damit die Piazza ausgerechnet am traditionell besucherreichsten Tag leer fegte), konnten den Erfolg trüben. Insgesamt 63 000 Besucher sind an den zehn Festivaltagen bei JazzAscona gezählt worden. Entsprechend erfreulich fällt auch die finanzielle Bilanz der diesjährigen Ausgabe aus. Ein Ergebnis, das den Organisatoren auch von Seiten der Sponsoren bestätigt wird.
„Zehn schöne Tage mit grossartiger Musik liegen hinter uns“, resümierte Aldo Merlini während der Pressekonferenz am gestrigen Sonntag. Sorgen machen würde ihm nur der Eindruck, „dass die RSI, Radiotelevisione Svizzera, immer mehr dazu tendiert, JazzAscona zugunsten der von ihnen selbst organisierten Parallelveranstaltung „Estival Jazz Lugano“ in den Hintergrund zu stellen. Das ist sehr bedauerlich. Die RSI muss wissen, dass sich das Tessin nicht nur bis Lugano erstreckt und dass es sich lohnt, JazzAscona mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“
Besuchern und Kritikern wird die aktuelle Festivalausgabe aber vor allem wegen ihres umfangreichen und vielseitigen Programms in Erinnerung bleiben. Namhafte Künstler sorgten für einen spannenden Stilmix bei den Konzerten (Ray Gelato, Biréli Lagrène, Paula Morelenbaum & SWR Big Band, um nur einige zu nennen), dazu gab es eine Reihe von interessanten Rahmenveranstaltungen, darunter die tägliche, öffentlich zugängliche Radio-Show mit Judy Carmichael, die ab Herbst von dem amerikanischen Sender NPR ausgestrahlt werden wird. Ascona hat sich auch in diesem Jahr wieder als wichtiger Treffpunkt für die internationale Jazz-Szene und als Sprungbrett für junge Künstler bestätigt. „Am meisten Eindruck haben in diesem Sinne die zahlreichen spontanen „Programmänderungen“ gemacht“, kommentierte der künstlerische Direktor Nicolas Gilliet. Immer wieder haben sich Musiker anderer Bands einem gerade laufenden Konzert angeschlossen. Das ist toll. Genau das macht das Festival in Ascona aus.“
Besonders gut beim Publikum sind in diesem Jahr die italienischen Musiker angekommen. Der erstmalig vergebene „Prix du Public BancaStato“ ging an die Mailänder (und jüngste) Gruppe Chicago Stompers, die nicht nur mit ihrem musikalischen Repertoire, sondern auch mit ihrem originellen Auftreten – im Look der 20er Jahre – die Zuschauer überzeugte. Den zweiten Platz belegten die amerikanische Sängerin Niki Haris und der Jazz-Trompeter Wycliff Gordon. Platz 3 in der Beliebtheitsskala nahm Sänger und Saxophonist Dew Davies mit seinem mitreissenden rhythm combo ein.
Das offizielle Gala-Dinner und die anschliessende Jazz-Party im Garten des Hotel Giardino haben Sonntag Abend den Schlusspunkt hinter die 26. Festivalausgabe JazzAscona gesetzt. Die Presse ist sich einig, dass 2010 zu den besten Jahren in der Geschichte des Festivals gehört und dass die Qualität des Programms Jahr für Jahr steigt.
In Kürze werden die Daten für das Festival 2011 bekannt gegeben.