Ashlin Parker

Trumpet Mafia: Trompeter auf Eroberungszug 

Ashlin Parker

37 Jahre, wache Intelligenz und das wohlwollende Lächeln derer, die den Kontakt zu ihresgleichen wirklich lieben: Ashlin Parker. Er ist Dozent an der Uni und Musiklehrer und als Trompeter nicht nur einer der interessantesten Musiker der Nouvelle Vague in New Orleans, sondern auch der Erfinder und Gründer von Trumpet Mafia. Das innovative und erfolgreiche Projekt vereint in einem Kollektiv zahlreiche Trompeter der Mississippi-Metropole, alle angetrieben durch die Lust, zusammen zu musizieren und daran zu wachsen. Dieses Projekt bringt Parker nun nach Ascona.

Ashlin Parker, Trompeter sind spezielle Menschen, nicht wahr?

Oh, ich glaube, ja. Trompetern gefällt es, sich als Stars zu geben. Sie sind gewohnt, auf der Bühne immer vorne zu stehen und die 1. Stimme zu spielen. Oft sind sie auch Leader einer Jazzband. Es ist kein Zufall, dass es viele Witze über sie gibt... 

Erzähl uns einen…
Einer, den man erzählen darf sagt: Weisst Du, wieviele Trompeter es braucht, um eine Glühbirne einzuschrauben? Nun, einen, um sie einzuschrauben und 100 um ihm zu sagen, dass sie es viel besser könnten... 

Hat der Entscheid, Trumpet Mafia, eine Plattform, die ganz den Trompetern gewidmet ist zu gründen, auch mit dem Narzissmus der Musiker zu tun?
Nun, Trumpet Mafia ist vor allem aus dem Wunsch erwachsen, einen Treffpunkt, eine Austauschplattform zu kreieren. In New Orleans gibt es eine Menge guter Trompeter. Es können deshalb auch Rivalitäten entstehen, und ein erbitterter Konkurrenzkampf vergiftet die Stimmung, führt sogar dazu, dass zwei Personen nicht mehr miteinander sprechen. Das gab mir zu denken. Wir haben doch alle denselben Beruf, leben in derselben Gemeinschaft, und jeder von uns hat seine Stäken und Schwächen. So wuchs in mir der Wunsch, sozusagen ein alternatives Modell anzubieten, das auf Solidarität gründet. Die Idee war, uns einen gemeinsamen Raum zu schaffen, eine Plattform, wo wir uns einmal pro Woche jeweils am Sonntag treffen können, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen, zusammen zu spielen und schliesslich daran zu wachsen, sowohl als Menschen wie als Künstler. 

Was für einen Mechanismus löst das aus?
Wenn du im Kreis von 20 Kollegen spielst, alles gute Musiker wie Du oder auch besser, wirst Du schnell demütig und fokussierst auf das, was Du noch zu lernen hast. Es löst einen positiven Mechanismus aus, den Wunsch, immer besser zu werden, den Besten nachzueifern. Man lernt Respekt und Anteilnahme. Trumpet Mafia ist offen für junge Studierende, professionelle Trompeter und auch für grosse Meister des Instruments, wie zum Beispiel Nicholas Payton. Letztere geben ihr Wissen weiter und alle können dabei nur gewinnen. 

Das geschieht alles auf freiwilliger Basis, nicht wahr?
Ja, natürlich, es besteht keine Verpflichtung, regelmässig zu den Treffen zu kommen. Wichtig ist, das zu tun, wozu man Lust hat und es aus Freude am gemeinsamen Musizieren zu tun.

Spielt Ihr denn oft auch Konzerte?
Es gibt ein paar Anlässe, die inzwischen zu Klassikern geworden sind, wie etwa unser Konzert am Jazz Fest. In einem solchen Fall entscheiden wir alle gemeinsam über das Programm und wir spielen Stücke, die von mir neu arrangiert werden, auf der Basis von höchstens 4 oder 5 Harmonien. Klar, um 10 - 20 Trompeten zusammenzubringen muss die Musik ein bisschen organisiert sein, sonst endet es leicht in einem Chaos. Es ist nicht einfach, sich gegen 20 Trompeten zu stellen, und so fliesst die Musik in gewissem Sinne natürlich dahin, lässt aber dennoch Raum für Improvisation und Unvorhergesehenes. Eine der Fertigkeiten, die ein Jazzmusiker entwickeln muss, ist genau diese: in einem Sekundenbruchteil zu verstehen, was zu tun ist...

Woher kommt der etwas eigenartige Name Trumpet Mafia?
Das war Zufall. Am Ursprung der Trumpet Mafia stand eine Übungsgruppe für die Musiker des New Orleans Jazz Orchestra und andere Musiker, die Lust hatten mitzutun. Das war im Sommer 2013. Wir trafen uns jeden Tag bei mir zuhause in der Frenchmen Street, die ein bisschen die Stasse der New Orleans Musik ist. Das sprach sich schnell in der ganzen Stadt herum und führte zu einem Kommen und Gehen von Trompetern. Alle 10 Minuten tauchte jemand auf! Eines Tages kamen auch zwei russische Trompeter vorbei, die als Gäste der Bigband eines mit mir befreundeten Saxofonisten in der Stadt weilten. Sie sahen all das Hin und Her und einer meinte dazu: Was ist denn das? Eine Trumpet Mafia? Wir haben herzlich gelacht, doch dann haben wir den Namen behalten. Mit der Mafia haben wir vielleicht die Kraft gemeinsam, die aus der Zugehörigkeit zu einer geeinten, solidarischen Gruppe erwächst – aber natürlich nicht all die andern Widerlichkeiten... 

Und was wird in Ascona passieren? Was hast Du dir vorgenommen?
Auf lange Sicht ist die Idee, das Projekt auszuweiten, eine Kerngruppe von Trompetern zu bilden, die sich regelmässig treffen werden, irgendwo in der Welt. Natürlich kann ich mir denken, dass in Eurer Gegend die Anzahl Trompeter nicht vergleichbar ist mit der Situation bei uns zuhause, aber von nichts kommt nichts. Wir treffen uns während des Festivals jeden Nachmittag zum Spielen. Die Trompeter des Festivals werden mit dabei sein und alle anderen, die Lust dazu haben. Wir sind sehr offen. Vom Kind, das gerade die ersten Töne spielt bis zum Bandtrompeter, vom neugierigen Hobbytrompeter bis zum Profi, der sich gerne mit Kollegen misst sind alle willkommen. Das technische Niveau ist nicht wichtig, und man muss auch nicht schon Jazz gespielt haben. Die starken Musiker tragen die andern mit, die weniger erfahrenen stürzen sich ins Abenteuer und jeder gibt, was er kann. Es ist keine Musikschule im eigentlichen Sinne und es ist nicht obligatorisch, an allen Treffen dabei zu sein. Aber garantiert werden wir viel Spass haben. Wir werden auch im Freien spielen und einige kleine Auftritte vor Publikum haben. Alles was wirklich zählt ist der Wunsch zu lernen und zusammen etwas ganz Spezielles zu erleben.