“China Moses, eine Frage der Energie”

China Moses - JazzAscona 2016

Ihre Herkunft ist die eines Sterns, glänzend, geboren aus andern leuchtenden Sternen. Von ihrer Mutter Dee Dee (Bridgewater) hat sie die Stimme geerbt, von Vater Gilbert den Nachnamen (Moses) und ein Leben im Film und Theater. Am 24. und 25. Juni (21.15h, Stage Papa Joe's), öffnet JazzAscona der franko-amerikanischen China Moses erneut die Tür. Sie kehrt zurück mit neuem Repertoire, neuer Band (Luigi Grasso - Altsaxofon, “Level” Neville Malcom - Bass, Jose Joyette -Schlagzeug) und einem beständigen Element, dem Pianisten Raphaël Lemonnier, der bereits in der Auflage 2010 im Tribute an Dinah Washington an ihrer Seite war. Anfänge in Soul und R&B, solide Wurzeln im Blues und Jazz, ein Fuss im harten Rock und vieles mehr (Moderatorin, Synchronsprecherin)...Jetzt gewährt uns China einen Ausblick und einige Kindheitserinnerungen....

In einer Künstlerfamilie aufwachsen: Musik, Bilder, Persönlichkeiten...

Die lebendigste Erinnerung habe ich an einen einfachen Ratschlag meiner Mutter: “Mach das Beste aus dem, was Du hast”. Genau das versuche ich zu befolgen. In der Musik war Prince ein starkes Erlebnis, als ich zum ersten Mal “Darling Nikki” gehört habe, heimlich. Die Kassette habe ich vor meiner Mutter versteckt. Im Film erinnere ich mich an das erste Mal, als ich “Willie Dynamite” gesehen habe, zu dem mein Vater Regie geführt und zusammen mit Jay Jay Johnson auch die Musik geschrieben hatte. Es ist kurios, wie man als Kind gar nicht realisiert, wie berühmt die Eltern sind. Als ich 10 war, nahm mich meine Mutter mit zu einem Konzert mit James Brown. Wir hatten einen Backstage-Pass und begegneten ihm hinter den Kulissen. Er kam auf uns zu und schrie “Dee Dee!”. Sie umarmten sich - ich schaute zu und dachte mir “Donnerwetter, wer alles kennt denn meine Mutter?”

Dee Dee in Prozenten: Mutter, Freundin, Lehrerin, Künstlerin...

Aus meiner Sicht ist Dee Dee Bridgewater: 50% Mutter, 30% Freundin, 20% Lehrerin und 100% Künstlerin...

Über das Radio hast Du einmal gesagt “das Mikrofon ist der Verstärker der Emotionen”. Kannst Du das auch von Deiner Stimme sagen?

Wenn das Mikrofon der Verstärker ist, ist die Stimme die Botschaft, und die Seele ist die Emotion. In der Musik fühle ich mich lebendig, beim Publikum fühle ich mich zuhause. Ich glaube, alles was zählt ist, seinen Platz im Leben zu finden, und glücklicherweise hat die Musik für mich ihre Arme ausgebreitet und mir seit meiner Kindheit geholfen.

Eine erste Schallplatte mit 15 Jahren, aufgenommen in Schweden, dann Paris, die Welt, aber auch viel Schweiz...

Europa war gut zu mir, und die Schweiz ist ein wunderbarer Ort, um musikalisch zu wachsen. Das gilt sowohl für die deutsche, wie für die italienische und die französische Schweiz, verschiedene Ausdrucksformen auf effizienter Erde... Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es auf dieser Welt einen so schönen Ort gibt.

Alarash heisst auch eine Deiner Bands, Fusion von Jazz, Blues, Heavy Metal und immer weiter...

Der Blues ist die Basis der Volksmusik. Es ist deshalb nicht schwierig, vom traditionellen Blues aus weiter zu gehen zu Standardjazz und bis zu einer Metal-Band. Umgekehrt, wenn Du einen Song von Technik befreist und akustisch spielst, könnte es sein, dass Du nicht mehr sagen kannst, um welchen Stil es sich handelt. Und in mir war immer ein Rocker. Du kannst nicht Fan von Tina Turner, Bette Davis und Grace Jones sein, ohne im Herzen ein Rocker zu sein. Es ist alles eine Frage der Energie...

Ein kürzlich erschienenes Werk und ein neues Album in Sicht...

Ich habe die EP “Whatever” im März veröffentlicht, verfügbar auf Spotify, iTunes, digital stores. Im September wird mein neues Album erscheinen, das für mich auch den Anfang als Autorin und Komponistin bedeutet. Es ist eine Arbeit, die ihre Wurzeln tief in der Black Music Amerikas hat und Groove und verschiedene Klanggewebe enthält. Aber das Ziel, das mein Produzent Anthony Marshall und ich uns gesetzt hatten war, Lieder zu schreiben und nicht nur Groove und Riffs.

Was wird in Ascona abgehen?

Raphaël Lemonnier wird wieder mit mir sein und meine Welt teilen. Wir werden viel aus dem neuen Repertoire spielen, aber natürlich auch aus unserem gemeinsamen Bestand. Man darf viel Soul, Blues und “all that jazz” erwarten! Diese zwei Welten werden wir mit meiner neuen Band teilen, die vom phantastischen Saxofonisten Luigi Grasso geleitet wird. Die Rhythmussektion hingegen ist englisch.

Apropos Lemonnier, Eure Partnerschaft scheint endlos zu sein. Gibt es ein Geheimnis?

Ja, grosse Mengen von Champagner...

China Moses - JazzAscona 2016