"Der Tanz von Barbara Dennerlein"

Barbara Dennerlein - Hammon Night JazzAscona 2016 - ©An Jae Kyung

Schon in frühen Jahren erwachte bei Barbara Dennerlein die Liebe zur Hammond-Orgel, und dies war der Anfang ihrer beispiellosen Karriere. Sie gehört zu den Zugpferden am JazzAscona 2016 und bleibt zwei Abende da, am Freitag, 24. Juni (21.30h, Jazz Club Casinò) zur "Hammond Night", an der unter anderen auch der junge, talentierte Simon Oslender auftritt und, auf derselben Bühne, am Samstag, 25. Juni um 19.45 Uhr im Barbara Dennerlein Duo.

Zwischen Jazzimprovisationen und Experimenten – die sie auch auf der Pfeifenorgel ausführt und in das Jazz-Ambiente integriert, oder manchmal in Verbindung mit Synthesizern – fühlt sie sich gleichermassen wohl in Gruppensituationen (den Bass ersetzt sie dabei durch die Orgelpedale, eine Spezialität von ihr), Sinfonieorchestern, aber auch ganz allein, oder besser in trauter Zweisamkeit mit ihrer Hammond. Bald können wir der deutschen Künstlerin begegnen.

JazzAscona 2016, beinahe ein Debüt...

Auch wenn ich vor Jahren schon einmal quasi "irregulär" (lächelt - Anm. d.R.) in Ascona war – ich habe im letzten Moment eine Kollegin ersetzt – können wir dieses Jahr von einem offiziellen Debüt sprechen. Ich werde mit dem ausgezeichneten Schweizer Schlagzeuger Pius Baumgartner auftreten. Es ist für mich eine wunderbare Zusammenarbeit, ein verbindendes Feeling. Ich kann es kaum erwarten, mit ihm zu spielen...

Sie kommen nicht vom Klavier her, sondern sind seit Beginn reine Organistin...

Mit 11 Jahren habe ich mit dem Orgelspiel begonnen. Die Begegnung mit dem Instrument war eine Art positiver Schock, der meine Seele berührt hat. Ich liebe das Klavier, den Bass, den Synthesizer, ich liebe viele Instrumente, aber wenn ich die Füsse nicht einsetzen kann, fehlt mir die Interaktion mit dem Rest meines Körpers...

Zu Ihren faszinierendsten Definitionen gehört "Die Hammond-Orgel ist eine Band"...

Ja, richtig. Die Pedale sind mein Bass, aus der Tastatur kann ich sowohl Begleitung wie solistische Linien herausholen und eine endlose Palette an Klängen. Wenn ich allein spiele, fühle ich mich total unabhängig.

Sie nennen ihren Ausführungsstil "einen Tanz"...

Ja, weil er Hände und Füsse miteinschliesst und dabei den ganzen Körper durchquert. Es ist ein Gefühl des freien Ausdrucks, typisch im Jazz, aber auch der freien Bewegung, die uns vergessen lässt, was unsere Füsse gerade tun. Man lässt sich transportieren, ohne genauen Plan...

Ein einmaliger Tanz, wenigstens was den Jazz an der Pfeifenorgel betrifft...

Es ist ein Moment der persönlichen und auch kompositorischen Herausforderung. Bei der Pfeifenorgel hat jedes Instrument eine andere Mechanik und vor allem eine ganz unterschiedliche Beschaffenheit der Klänge. Das geht vom eher trockenen Klang in Konzertsälen bis zu langem Widerhall grosser Konstruktionen wie in der Kathedrale von Ulm, wo ich vor Kurzem gespielt habe. Das stimuliert, neue Klänge zu kreieren, aber auch, sie zu "arrangieren"...

Hatte je jemand ein Problem in Sachen “sakral und profan”?

Nein, ich bin nie auf Widerstand gestossen. Die Kirchen öffnen immer mehr ihre Tore. Im Moment finden meine Auftritte etwa zu gleichen Teilen auf der Hammond-Orgel und auf der Kirchenorgel statt. Manchmal gefällt es mir auch, in einem Konzert auf beiden Instrumenten zu spielen. Das ergibt eine sehr spezielle Klangkombination.

Wer je seine Hände auf eine Pfeifenorgel gesetzt hat, mag sich fragen, wie es Ihnen möglich ist, darauf zu “swingen”...

Es ist wahr, zwischen dem Druck auf die Taste und der Wahrnehmung des Tones kann eine Verzögerung entstehen. Das heisst, dass ich manchmal die Taste etwas früher drücken muss. Es ist witzig, manchmal verwirre ich meine Mitmusiker, weil meine Bewegungen nicht dem entsprechen, was sie gerade hören. Mit der Zeit habe ich gelernt, mich diesen Mechaniken anzupassen, auch das ist Teil des Tanzes, von dem ich gesprochen habe...

Ihre Idee von Jazz ist “Freiheit von Vorurteilen und Diskrimination”...

Das hat mit dem Grund zu tun, warum der Jazz überhaupt entstanden ist, und was wir Europäer nur schwer verstehen. Freiheit ist die geistige Öffnung, welche Jazz zu spielen mit sich bringt, aber auch mein persönlicher Zugang zur Musik: Wäre ich geldgierig, hätte ich wohl nicht den Jazz gewählt - ich habe im Namen meiner künstlerischen Freiheit schon wichtige Verträge abgelehnt. Heutzutage kommt Business vor Musik, aber Kunst und Innovation sind in der Freiheit des Ausdrucks zuhause und nicht in der Frage “wie kann ich das verkaufen?”

Barbara Dennerlein - JazzAscona 2016