Von 1985 bis heute – die wichtigsten Etappen der ersten 29 Jahre JazzAscona.
Auftakt: 1975-1984 – Die Anfänge von JazzAscona gehen auf die Eröffnung des “Picayune” in Muzzano bei Lugano zurück, einem Treffpunkt, der jeweils am Wochenende Konzerte mit traditionellem Jazz anbot. Hier wird 1975 auf Initiative des Schweizer Designers Hannes Anrig die erste Festa New Orleans organisiert. In den folgenden Jahren findet der Event dann in Lugano statt. Die Festa New Orleans wird zur ersten Jazz-Veranstaltung, die wenigstens kantonale Bedeutung erlangt, auch wenn erst europäische Amateurbands auftreten. 1983 kann der erste Star für Lugano gewonnen werden: “Kid” Thomas Valentine, Trompeter, einer der letzten der alten Garde aus New Orleans.
1985 – Nach 8 Jahren in Lugano verlegt der Gründer Hannes Anrig die Festa New Orleans Music nach Ascona. Mit 15 Tausend Zuschauern in drei Tagen wird bereits die erste Auflage am neuen Ort ein voller Erfolg. Der Eintritt ist gratis.
1986 – Die Dauer des Festes wird auf 10 Tage ausgedehnt. Die Konzerte finden jedoch immer noch vorwiegend an den Wochenenden statt und sind in drei Kategorien aufgeteilt: Blues Nights (1. Wochenende), Symposien (an Werktagen) und New Orleans Nights (2. Wochenende).
1986 - 1990 – Die Festa New Orleans Music Ascona wird zu einem Referenzpunkt für Liebhaber des traditionellen Jazz in Europa. Die Veranstaltung kann mit einigen der grössten Musiker des New Orleans Revival aufwarten, Jazz-Legenden der Crescent City, wichtigen Künstlern des Blues und traditionelle Jazzmusiker aus diversen Ländern. Die Ära der Pioniere des Jazz neigt sich jedoch dem Ende entgegen und Ende der 80er-Jahre präsentiert Direktor Anrig das Fest als einen “Querschnittdurch verschiedene Stile und Musikformen, die New Orleans eigen sind, einer Stadt, die vielmehr ist als nur die Wiege des Jazz”. Die Helden des Festivals dieser Jahre sind der Posaunist Louis Nelson, die Sängerin Lillian Boutté, der Trompeter Doc Cheatham, die Gitarristen Danny Barker und Al Casey, der Bluesman Snooks Eaglin, der Pianist Sammy Price, Marva Wright, Clarence Gatemouth Brown und viele weitere berühmte Namen.
1987 – Der Bürgermeister von New Orleans, Sidney J. Barthelemy, besuchtAscona zum ersten Mal.
1990 - George Wein, der berühmte Festivalproduzent ist in Ascona. Später wird er der Presse erklären: “Festivals werden überall ins Leben gerufen. Das ist in Mode. Es ist jedoch schwierig, eines mit internationalem Renommee zu kreieren, das in diesem Kreis eine Rolle spielen kann. Die Organisatoren des New Orleans haben es geschafft, dank der Spezifikation der Veranstaltung und seiner Bedeutung, die über die Musik hinausgeht.”
1991 – Es werden nun Eintrittskarten zu 5 Franken verkauft. Mit der Gemeinde werden Abmachungen getroffen, um die Kontinuität des Festivals zu garantieren (und die befürchtete Abwanderung des Festivals an andere Gestade zu verhindern).
1993 – Der Verkehrsverein Ascona übernimmt die Bankschulden des Festivals und wird so faktisch dessen Besitzer und garantiert die Fortsetzung. Dem ofiziellen Programm wird ein Festival “off” angegliedert, mit europäischen Bands, die in öffentlichen Lokalen ausschliesslich Jazz im traditionellen Stil spielen.
1997 –Es regnet unaufhörlich (an sieben von 9 Abenden) und eine Epoche geht zu Ende. Der Verkehrsverein trennt sich von Hannes Anrig, Gründer und Seele des Festes. Die künstlerische Leitung wird dem bisherigen Kurator des “off”-Programms, Karl Heinz Ern, anvertraut.
1998 - 2003 – Das Musikfest bekommt einen neuen Namen und heisst jetzt New Orleans Jazz Ascona. Der neue Direktor Ern drückt dem Programm seinen Stempel auf, mehr in Richtung Mainstream und klassischen Jazz orientiert, mit viel Platz für die Musik der weissen Pioniere im Jazz, wie Joe Venuti, Eddie Lang, Bix Beiderbecke, Paul Whiteman. Diverse Stars des amerikanischen Mainstream treten ebenfalls auf (Ed Polcer, Dan Barrett, Leroy Jones) und bleiben für einige Jahre die tragenden Elemente des Festivals, zusammen mit zahlreichen europäischen Gruppen und Künstlern wie Big Al Carson, Tom Baker und das Orchester von Lars Edegran, der grossartige Künstler aus New Orleans nach Ascona bringt.
1999 –Die grosse Neuheit: Das Festival ist online; Die Bilanzsumme der Veranstaltung übersteigt erstmals eine Million Franken.
2000 –Im Zeichen von Satchmo: Das Festival widmet sich erstmals einem Thema (Louis Armstrong), das als roter Faden das Programm prägt.
2001 – Das legendäre "Palm Court Jazz Café” aus New Orleans zieht zum ersten Mal nach Ascona für zehn Festivaltage.
2002 –Das Jahr der Gitarren: Bucky Pizzarelli, Frank Vignola, Howard Alden, Marty Grosz und Al Viola sind zum ersten Mal zusammen auf einer Bühne bei Lino Patruno. Protagonisten dieser unvergesslichen Auflage sind auch der Sänger Sam Butera und der Ex-Schlagzeuger von Armstrong, Arvell Shaw.
2003 –Das Festival trennt sich vom künstlerischen Leiter Karl Heinz Ern. Sein Nachfolger ist der junge Nicolas Gilliet (ehemals Direktor des Marians Jazz Club in Bern).
2004 – Das Festival bekommt den neuen Namen JazzAscona New Orleans & Classics. Gilliet gibt in seiner Programmation dem Mainstream mehr Gewicht, mit grossen Namen wie Harry Allen, Warren Vaché, Plas Johnson und öffnet das Festival auch Musikern, die einen moderneren Zugang zum traditionellen Jazz haben, wie der Pianist Dado Moroni, der Schlagzeuger Herlin Riley, die Organistin Rhoda Scott.
2005 – Ascona empfängt die legendäre Bluessängerin Linda Hopkins. Gewaltige Gewitter beschädigen zweimal Bühnen und Strukturen und zwingen die Veranstalter, alle Abendkonzerte des 29. Juni zu annullieren (zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals). Ende August wird New Orleans vom Hurrikan Katrina heimgesucht.
2006 – Ueber 200'000 Franken werden gesammelt für die Musiker aus New Orleans, die auch zahlreich ans Festival eingeladen werden. Ausserdem treten Monty Alexander und Annie Ross auf. Zum ersten Mal werden die Ascona Jazz Awards verliehen (der Sängerin Lillian Boutté und dem Schweizer Bandleader Pepe Lienhard).
2007 – Erstmalswird in Stresa eine Vorpremiere des Festivals organisiert.
2008 – Die Euro 08 bildet den Hintergrund zu einer vom Wetterpech verfolgten Auflage (was auch in der Kasse Spuren hinterlässt). Zu reden gibt auch die Polemik im Anschluss an eine Techno-Party die am Ende des Finalspiels der Euro 08 die Konzerte in Ascona stört.
2009 –Das 25. Festivalmarkiert zugleich einen Neustart. Das Ente Turistico Lago Maggiore ETLM (Verkehrsverein), Besitzer und Produzent der Veranstaltung, verwirft die Idee, die Durchführung des Festivals einer privaten Gruppe aus Deutschland zu überlassen und spricht unserem künstlerischen Direktor erneut sein Vertrauen aus; das Festival bleibt in öffentlicher Hand und seiner musikalischen Linie, dem traditionellen Jazz und dem New Orleans Beat treu. Diese Konsequenz wird vom Publikum belohnt (über 70 Tausend Besucher).
2010 – Das Jahr des Biréli Lagrène, der zur Feier “100 Jahre Django Reinhardt” eingeladen wurde. Die Entdeckung dieser Auflage war jedoch die Sängerin Catherine Russell, und der Ascona Jazz Award wurde den Schlagzeugern Shannon Powell und Herlin Riley aus New Orleans verliehen. Zum ersten Mal wird der Publikumspreis vergeben (an die italienische Gruppe Chicago Stompers).
2011 – Jon Faddis (zelebriert Roy Eldridge), die Swing-Ikone Paul Kuhn und die sinnlichen Jazz Burlesque Shows aus New Orleans sind als Highlights zu nennen. Zum ersten Mal ist das Festival Gastgeber für einen Live Contest unter den Finalisten des Swiss Jazz Award, bei dem die Sängerin Alexia Gardner ausgezeichnet wird.
2012 – “Sophisticated Lady” ist der Titel der 28. Auflage, die unzähligen Musikerinnen und Sängerinnen Platz bietet. Auffallend die jungen Talente wie Bria Skonberg, Champian Fulton, Nina Attal oder Davina & The Vagabonds. Die legendäre Irma Thomas nimmt am Ende eines bejubelten Konzertes den Ascona Jazz Award entgegen.